reflections

Tequila! - Wo sind Zitrone und Salz?

Du wirst erwachsen, du hörst Märchen, schaust Filme, du stellst dir dein Leben vor. Erste Liebe, Karriere, Haus, Garten, Hund. Alles nimmst du selbstverständlich. Schneewittchen und Dornröschen erwachen aus dem Schlaf, der Wolf spuckt das Rotkäppchen wieder aus und Rapunzel wird aus ihrem Turm befreit. Alles wirkt logisch und das Gute siegt – natürlich.

Wir werden als Kinder einfach nicht darauf vorbereitet, dass die Realität nicht so logisch und folgerichtig ist wie ein Märchen. Der Abenteuerfaktor wird nicht erwähnt. Oder wer ist noch nie morgens aufgewacht und hatte keine Erinnerung an den Abend davor? Welches Mädchen hat noch nicht sehnsüchtig auf ihre Periode gewartet? Wer hat noch nie in einer Nacht sein komplettes Geld verzecht? Wer wusste noch nie, wie er nach Hause kommen soll? Beziehungsweise, meine Eltern haben mir solche Geschichten nicht vorgelesen. Die haben lieber junge Mädels mit Äpfeln vergiftet und der Königin das Baby entführt. Stellt sich die Frage, was kinderfreundlicher ist: Hänsel und Gretel alleine im dunklen Wald oder ich verlassen vor einem Club?


Das Leben wird so oft verflucht, weil es uns in solche tricky Situationen bringt. Und schließlich lässt es sich nicht vermeiden, dass wir unsere eigenen Horrorgeschichten schreiben.

Letztens musste ich meine Freundin mitten in der Nacht von der Polizei abholen, weil sie betrunken Auto gefahren war. Zuvor hatte ich auf dem Sofa eines gemeinsamen Freundes mit einnem gemeinsamen Freund, Bekannt (was auch immer) Sex gehabt, während sie heulend im Streifenwagen saß. Der Abend hatte mit einem harmlosen Kaffeetrinken begonnnen. Das ist Leben. Und das ist auch irgendwie gut so.

Mit gefühlten 50 Tequila saß ich über eine Stunde mit dem Typen vom Sofa im Neonlicht der Polizeiwache und musste diese tränenüberströmt Schnapsdrossel in Empfang nehmen. Schön war das erstmal nicht. Daheim lag der Hausherr in seinem Bett, seine Wohnungstür war nur angelehnt und der Hund lief frei im Haus herum. Heute lachen wir darüber, Schublade Jugendsünde, aus dem Fehler ist wohl gelernt und diese Nacht werden wir nie vergessen.


Letztendlich macht das ein gutes Leben aus: Das Geplante kann nie so unerwartet großartig sein wie das Unerwartete. Das ist nicht nur Gelaber, das ist eine Tatsache. Aber das macht das Leben so schwierig. Wir Menschen sind dazu veranlagt nach Sicherheiten zu suchen, denn Stabilität fällt nicht aus den Wolken. Da kommt es darauf an, das richtige Mittelmaß zu finden zwischen Abenteuer und Planung. Das heißt: 50 Tequila planen, der Rest erledigt sich schon von selbst.

22.11.11 15:11

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